|
Ihn grauer Vorzeit herrschten Angst und Schrecken.
Fürchterliche Ungeheuer trieben ihr Unwesen in der Welt.
Der Erzengel Michael, der Drachentöter und Schutzheilige unserer Stadt, versuchte ihnen mit dem Schwert beizukommen.
Eines Tages stieß er auf einen besonders gefährlichen Drachen.
Sein Fauchen und Brüllen drang weit über die Berge Jenas und wenn er nur den Mund öffnete, stank das ganze Saaletal nach Pech und Schwefel.
Gegen dieses Ungetüm war das Schwert des Erzengels wirkungslos.
|
Um eine List zu ersinnen, wurde es aus einem Versteck nahe dem heutigen Jenzig durch geschliffene Kieselsteine (die Vorläufer der Zeiss-Linsen) beobachtet.
So bemerkte man in den Zähnen des Ungetüms riesige schwarze Löcher.
Da der Zahnschmerz zu diesen Zeiten bereits unter den Menschen bekannt war, konnte man nun leicht auf die wirkliche Ursache für das gefährliche Gebrüll und den Gestank aus dem Munde des Drachens zu schließen: Er litt an seinen faulen Zähnen.
So schlichen sich des Nachts die raubeinigen Urahnen der heutigen Jenaer Zahnärzte ins Tal und betäubten vorsichtig die Zähne des tief schlafenden Drachens. Gegen Mitternacht begann das große Plombieren und Zahnreißen, Zahnreißen und Plombieren. Kurz vor Morgengrauen wurden still und leise noch die letzten hässlichen Zahnlücken geschlossen. Zahnimplantate mussten damals noch aus Mammutknochen geschnitzt werden!
Des Morgens erwachte der Drachen. Etwas hatte sich verändert: Sein Atem war frisch und auch die Luft im Saaletal war nun wieder licht und klar. Ohne Zahnschmerz gab es keinen Grund mehr für morgendliches Toben. Zufrieden und glücklich genoss er sein Frühstück in der Sonne – er konnte sogar wieder schmerzfrei Himbeereis lecken – als vom Landgrafen eine schöne und junge Drachenprinzessin herabstieg. Sie verliebte sich in den Drachen mit den schönen sauberen Zähnen, und wenn sie nicht gestorben sind, dann küssen sie sich noch heute. Zuvor jedoch putzen sie sich gegenseitig sehr gründlich die Zähne. Nie mehr will der Drache wieder stinken und vor Schmerzen toben.
Dies alles ist lange, lange her …
Das Saaletal konnte nun auch von friedlichen Menschen bevölkert werden, die Stadt Jena wurde gegründet und längst hat sich in der Welt herumgesprochen, dass auch bei großen Problemen oft die sanften Mittel die wirkungsvolleren sind. Selbst der Erzengel Michael trägt sein Schwert nur noch zu Fototerminen beim Altstadtfest.
Der Ort aber, an dem sich diese Geschichte ereignete, findet sich gegenüber des nach der Drachendame benannten Prinzessinnenschlösschens – dort, wo auch heute noch mit Zeiss- Linsen und sanften Mitteln Schmerzen verhindert und Zahnlücken geschlossen werden.
Das alles geschieht wie damals – wie im Schlaf und nach dem Aufwachen kommt es auch heute vor, dass Patienten durch frischen Atem und ihre schönen Zähne auf festen Implantaten so unwiderstehlich geworden sind, das …
Für Konsequenzen daraus können jedoch die hier in der heutigen Kollwitzstrasse ansässigen Nachfahren der damaligen Vorfahren der Zahnärzte nicht haftbar gemacht werden. |