Nepal, Land im Himalaya
Nepal besuchen heißt sich verlieben:
In die atemberaubende Schönheit der Gipfel des Himalaya, die keine Fotografie je reproduzieren kann. In jahrhundertealte Heiligtümer, die eine Ahnung von der Gegenwart des Überirdischen auf Erden vermitteln. In den Duft der Märkte, eine unvergeßliche Mischung von fremden Gewürzen, Staub, Abgasen und Abfall. Verlieben aber vor allem in die Menschen, ihre Heiterkeit und Herzlichkeit trotz Armut und trotz Unterentwicklung.
Das Land der Achttausender, der Sherpas und Kunstschmiede ist ein Schmelztiegel der Völker und Religionen und fungiert seit Jahrhunderten als Pufferzone zwischen den asiatischen Supermächten Indien und China. Nepal ist eines der ärmsten Länder der Welt. Zur Liebe auf den ersten Blick gesellt sich schon bald ein zweiter, realistischer Blick auf seine erdrückenden Probleme.
Zum Gesundheitswesen
Das marode staatliche Gesundheitssystem erreicht, bedingt durch die schwierige geographische und wirtschaftliche Situation Nepals, nur etwa 15% der Bevölkerung. Landesweit stehen für die medizinische Betreuung der fast 20 Mio. Einwohner lediglich 852 Ärzte, 84 Krankenhäuser und staatliche Ausgaben von jährlich 28 Rupien (ca. 0,70 DM) pro Einwohner zur Verfügung (Statistisches Jahrbuch Nepal 1996).
Deshalb enden harmlosen Erkrankungen häufig tödlich, liegt die Müttersterblichkeit bei 100:1 in Kathmandu und beträgt die Säuglings- und Kindersterblichkeit fast 30% landesweit.
Kathmandu, die Hauptstadt
Die Hauptstadt des hinduistischen Königreiches, Kathmandu, spiegelt den kulturellen Reichtum, aber auch die gewaltigen strukturellen und ökonomischen Probleme des Landes wieder. Einst an einer alten Handelsstraße zwischen dem kargen tibetischen Hochplateau im Norden und den fruchtbaren indischen Niederungen im Süden gegründet, ist sie heute Großstadt mit über
3 Mio. Bewohnern.
Rastlos und unkoordiniert frißt sie sich in ihre Umgebung, ohne Rücksicht auf die Notwendigkeit einer äquivalenten Infrastruktur und die sozialen Belange ihrer Bewohner.
Der unbändige Zuwachs an motorisierten Dreirädern und altersschwachen Autos führt zu kaum erträglicher Luftverschmutzung und zur Zerstörung des flach liegenden Abwassersystems. So vermischen sich Frisch- und Abwasser und führen unvermeidlich zu Erkrankungen.
Das allgemeine staatliche Gesundheitswesen hat an der atemberaubenden Entwicklung der Stadt kaum einen Anteil.
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Die Chhatrapati Free Clinic
Von einer erfreulichen und nahezu einzigartigen Ausnahme soll hier die Rede sein. Der Stadtbezirks Chhatrapati liegt zwischen dem alten Königspalast und dem heutigen Touristenzentrum Thamel im Herzen Kathmandus.
Schon früh erkannte hier die zu relativem Wohlstand gekommene Mittelschicht die Unzulänglichkeit der staatlichen Strukturen und die Notwendigkeit einer öffentlichen medizinischen Grundversorgung, die auch unterprivilegierte Schichten erreicht.
Eine engagierte Bürgerinitiative richtete 1956 einen bescheidenen Verbandsraum ein.
Sie konnte sozialverantwortliche Ärzte zu gewinnen, die nebenamtlich eine kostenlose medizinische Betreuung übernahmen. Finanziert wurde dieses Selbsthilfeprojekt durch monatliche Spenden wohlhabenderer Familien des Stadtbezirks. Damit war der Grundstein für die Chhatrapati Free Clinic gelegt. Kontinuität und Stabilität verhalfen dieser uneigennützigen Initiative in den folgenden dreißig Jahren zu wachsendem Ansehen und einem Ruf weit über die Stadtteilgrenzen hinaus.
Mit Hilfe einsichtiger Lokalpolitiker und privater Sponsoren aus Nepal konnten ein Grundstück erworben werden. Durch kollektive und unentgeltliche Anstrengungen errichten die in der Umgebung wohnenden Menschen ein Gebäude für den poliklinischen Betrieb.
Mit der Verwaltung der Klinik wurde ein Komitee beauftragt, das direkt von der Generalversammlung des Trägervereins (300 Mitglieder) gewählt wurde. Die Einnahmen der Klinik setzen sich aus Mitgliedsbeiträgen des Vereins, Förderungen der Stadt Kathmandu und gelegentlichen Spenden zusammen.
Bis 1992 fehlte jedoch nahezu jegliche Ausstattung mit medizinischen Geräten.
Die Modernisierung der Klinik
1992 wendete sich das Klinikkomitee an den Deutschen Entwicklungsdienst (DED) mit der Bitte um Unterstützung. Da der DED in Nepal auf medizinischem Sektor nicht aktiv ist, erreichte diese Anfrage über persönliche Kontakte einen Jenaer Zahnarzt und dessen Freunde bei ihrem ersten Besuch in Nepal.
Sie informierten sich vor Ort, knüpften erste Beziehungen und versprachen zu helfen.
Bei der Umstrukturierung des Gesundheitswesens in den neuen Bundesländern fielen neue oder kaum gebrauchte medizinische Geräte an, die nur aufgespürt, abgeholt, instandgesetzt und verpackt werden mußten.
Verschiedene Institutionen in Deutschland halfen dabei großzügig und unbürokratisch, darunter das Asienreferat des Deutschen Entwicklungsdienstes Berlin, der DED Nepal, das Bundesministerium für Verteidigung, die Deutsche Botschaft in Kathmandu, die Universitätskliniken der Friedrich-Schiller-Universität Jena, die Thüringenkliniken in Saalfeld, die Fachhochschule Jena (Bereich Medizintechnik), die Carl-Zeiss-Jena GmbH, Siemens-Dental Jena sowie zahlreiche Hersteller und Vertreiber medizinischer Geräte und Materialien, Krankenhäuser und Apotheken in Thüringen.
Im Sommer 1993 ging die erste Luftfracht nach Kathmandu auf die Reise. Dabei befanden sich die kompletten Ausstattungen für den augenärztlichen, den zahnärztlichen und den hals-nasen-ohren-ärztlichen Bereich sowie Ultraschall- und Röntgengeräte, diagnostische Geräte und Einrichtungen der Krankenhaushygiene.
Die Komplexität und Sensibilität der europäischen Technik machte die Installation der Geräte vor Ort und eine teilweise Anpassung an die dortigen Verhältnisse nötig. Dafür konnten zwei Jenaer Techniker gewonnen werden, für die zwei Monate in Chhatrapati zu einem unvergleichlichen Abenteuer wurden.
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Kontinuierliche Betreuung
Wer jemals mit Bereichen der Entwicklungshilfe in Berührung gekommen ist, wird wissen, daß die großzügige Gabe allein nur ein kurzfristig wirksamer Tropfen auf den heißen Stein sein kann.
Entscheidend ist eine behutsame und kontinuierliche Betreuung der Projekte über den ersten Erfolg hinaus.
Es fanden sich jährlich ehrenamtliche Helfer aus Jena, die ihre Urlaubsreise mit einem Aufenthalt in der Chhatrapati Free Clinic verbanden. Sie brachten Ersatzteile und zusätzliche Apparaturen mit und führten notwendige Reparaturen aus.
Im Herbst 1997 arbeiteten zwei Medizintechnikstudenten der Fachhochschule Jena im Rahmen eines nun jährlich geplanten viermonatigen Praktikums an der Chhatrapati Free Clinic.
So gestaltete sich der Kontakt zwischen dem Klinikpersonal und der inzwischen in Jena gegründeten Gesellschaft für medizinisch-technische Zusammenarbeit (GMTZ) beinahe familiär.
Medizinische und strukturelle Entwicklung
Die für nepalesische Verhältnisse außergewöhnlich gute Ausstattung der Klinik zog immer mehr namhafte Ärzte an, die diese im Lande nahezu einzigartige Technik zu nutzen wissen. Der Klinik zugehörig ist seit 1995 ein bedeutendes Mutter-Kind-Zentrum. Die ehemals bescheiden ausgestattete Chhatrapati Free Clinic wurde eines der modernsten Gesundheitszentren der Himalayaregion.
Deshalb nahmen auch immer mehr wohlhabende Patienten die medizinische Leistungsfähigkeit der Klinik in Anspruch. Diese Patienten tragen die Kosten für ihre Behandlung selbst und bilden so die finanzielle Basis für die Grundversorgung mittelloser Patienten.
Die Klinik betreute im Finanzjahr 1996 111.122 Patienten, davon 50.994 ohne Berechnung von Behandlungskosten. Langfristiges Ziel ist die Entwicklung landesweit führender medizinischer Diagnostik und Therapie unter Wahrung sozialer Verantwortung gegenüber der unterprivilegierten Bevölkerung.
Ziele
Nach solch ermutigenden Erfolgen aus der fruchtbaren Zusammenarbeit mit der Chhatrapati Free Clinic entstanden über den poliklinischen Bereich hinausgehende Vorhaben. Für die nächsten Jahre ist der Bau eines kleinen Verwaltungsgebäudes geplant. Außerdem soll der schon im Statut der Klinik von 1957 angestrebte Bau eines Operationstraktes mit zwei OP-Sälen und einem Krankenhaus mit etwa 30 Betten verwirklicht werden. Da sich in Nepal keine ausreichenden Erfahrungen im Krankenhausbau entwickeln konnten, übernahm das Architekturbüro Thiede, Messthaler, Klösges aus Erfurt in Kooperation mit nepalesischen Partnern die Projektierung. Die notwendigen medizinischen Geräte konnten teilweise schon beschafft werden. Sowohl in Kathmandu als auch in Jena wird versucht, die Kosten für den Erweiterungsbau durch Spenden zusammenzutragen.
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Zur zahnmedizinischen Betreuung
Traditionelle und finanzielle Hintergründe bedingen, daß die zahnmedizinische Breitenver-sorgung auf dem Land vorwiegend von Schamanen übernommen wird. Ein beliebter Ort zur Zahnextraktion ist die Dorfschmiede. Hier gibt es zumindest eine Zange und sehr selten auch einmal einen Wanderer, der damit umzugehen gelernt hat. Neben einer solchen Schmiedezange sind zur Extraktion am Wegesrand geeignet: Taschenmesser, Kombizange oder ein beschliffenes Leatherman-Tool.
Zum Straßenbild Kathmandus gehören Karies an Milch- und bleibenden Frontzähnen, Periodontalerkrankungen und Lückengebisse. Völlig fehlende Prävention und steigender Zuckerverbrauch verbunden mit ärmlichen Lebensverhältnissen, mangelnder Aufklärung
(2/3 Analphabetismus) und unausgeglichener Ernährung zeigen ihre Wirkung.
Trotz einiger Dentisten in Kathmandu ist es bei Zahnschmerzen dennoch üblich, zum Abbild des Gottes Bangemudha zu pilgern und nach dem Annageln einer Rupie-Münze auf Linderung zu hoffen.
Fast verwundert es, daß etwa 50 Zahnärzte praktizieren, die meist in Indien ausgebildet wurden.
Der erste von ihnen, Dr. B. B. Rajbhandari, Ex-Präsident der Nepal Dental Association und Royal Dental Surgeon, begann 1953 zu arbeiten. Wie das erste Auto gelangte auch seine Behandlungseinheit (eine Ritter!) auf dem Rücken von Trägern über 1.000 km von Kalkutta nach Kathmandu.
Die Leistungen der diplomierten Zahnärzte sind natürlich nur einer verschwindend kleinen Minderheit zugänglich. Der technische Standard der Behandlungsstätten, ihre Ausstattung und Arbeitsweise sind dabei sehr verschieden.
Allgemeines Niveau sind sogenannte Dental-Workshops. Es dominieren untragbare hygienische Verhältnisse, notdürftiges Arbeitsgerät, schlechteste Arbeitsbedingungen (Licht, Behandlungsstühle, unsauberes Wasser, Materialien unzulänglicher Qualität) und adäquat primitive Diagnostik und Therapie.
Ausbildung nepalesischer Zahntechnikerinnen
Obwohl vereinzelt versucht wird, Zahnersatz zu fertigen, finden sich nirgendwo Ansätze einer medizinisch fundierten Zahntechnik. Prothetische Arbeiten für die wenigen zahlungsfähigen Patienten werden in Thailand oder Indonesien hergestellt.
Dank des Engagements der Inhaber des Jenaer Zahnlabors Gehse-Dental ist es möglich geworden zwei junge nepalesische Frauen in Deutschland zu Zahntechnikerinnen für die Chhatrapati Free Clinic auszubilden. Nach ihrer Rückkehr in zwei Jahren werden die hier erworbenen Kenntnisse Patienten und Ärzten Kathmandus sowie der Klinik zugute kommen.
Nach den Erfahrungen unserer fünfjährigen Zusammenarbeit mit der Chhatrapati Free Clinic Kathmandu halten wir sie uneingeschränkt für eine stabile und vertrauenswürdige Einrichtung. Sie erscheint uns für das Gesundheitswesen Nepals unverzichtbar. Sie ist beispielgebend und in besonderem Maße der Unterstützung wert. Wir sind noch immer davon beeindruckt, daß die Klinik ihre über vierzig Jahre alte Zielstellung, den Ärmsten kostenlose medizinische Behandlung zu ermöglichen, nicht aus den Augen verliert.
Mit dem Team der Chhatrapati Free Clinic freuen wir uns, daß dies auch von der nepalesischen Regierung gewürdigt wurde. Sie vergibt alljährlich den Tulfi-Mexher-Award, die höchste Auszeichnung eines sozialen Projektes.
1996 wurde das Rote Kreuz Nepals ausgezeichnet, 1997 die Chhatrapati Free Clinic.
Wenn Sie die Bauvorhaben der Chhatrapati Free Clinic unterstützen möchten oder weitere Informationen wünschen, wenden Sie sich bitte an:
GESELLSCHAFT FÜR MEDIZINISCH-TECHNISCHE ZUSAMMENARBEIT E. V.
Käthe-Kollwitz-Straße 19
07743 Jena
Telephon: 036 41 - 44 21 34
Telefax: 036 41 - 44 14 22
eMail: mail@gmtz.de
Internet: www.gmtz.de
Vorsitzender: Dr. med. Joachim Hoffmann
Geschäftsführer: Kay Haupt
Spendenkonto: 0344913000, Dresdner Bank Jena, BLZ 82080000
Die Gesellschaft für medizinisch-technische Zusammenarbeit e. V. ist wegen Förderung der Entwicklungszusammenarbeit als gemeinnützigen Zwecken dienend anerkannt. Dies beinhaltet die Möglichkeit der Bestätigung von Sach- und Geldzuwendungen gemäß EStR.
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